Geschichte

In der mittleren Hauptstraße zwischen Photo Stober und der Buchhandlung Roth zeigt sich die reichgegliederte Fassade des früheren Stadthauses der Freiherren von Böcklin.

Wie alle Häuser (mit Ausnahme des Kapuzinerklosters) wurde auch dieses Haus im Zuge des Eroberungskriegs Ludwig des XIV. am 9. September 1689 zerstört.
Sein Wiederaufbau sowie die weiteren Besitzverhältnisse sind bis Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr nachvollziehbar.

Nach alten Kauf- und Contracten - Protokollen von 1785 bis 1812, von denen dem Offenburger Stadtarchiv Protokolle zwischen 1797 bis 1808 fehlen, muss der Appenweier Bürger Xaver Göring, späterer Dreikönigswirt und Stadtrat in Offenburg, das Haus an der Hauptstraße mit der damaligen Hausnummer 103 erworben haben.
Im Jahre 1812 fand die Übergabe an seinen Stiefsohn Josef Seng statt, der das Haus umbaute und eine Ölmühle dazu neu errichtete.

Nach dem Tod der Witwe Seng erbte die Tochter, geb. Seng im Jahr 1845 dieses Haus, nachdem sie 1837 den aus Ortenberg stammenden Weinhändler Eduard Stöckle geheiratet hatte. Von Frau Stöckle, seit 1847 verwitwet, erwarb der aus Baden-Baden stammende Lederhändler Franz Stephan 1886 das Haus, jetzt mit der Hausnummer 200. Frau Stöckle besaß bis zu ihrem Tod 1908 das Bleiberecht und wohnte bis dorthin im 1. Stock.

Ein Foto aus dem Jahr 1886 belegt eine eingeschossige Bauweise mit schmuckloser Fassade. Doch dies sollte sich ändern: Nach dem Umbau in den Jahren 1887/88 durch den damaligen Baumeister Schitterer (Architekt war Gustav Steinwarz, genannt "Staches") erhält das Haus die heutige, wieder original restaurierte Fassade im klassizistischen Baustil.

 

In dieser Zeit, des sogenannten Eklektizismus, in der bei der Gestaltung der Fassaden auf Stilelemente zurückliegender Epochen zurückgegriffen wurde, entstanden dank des Einsatzes damals schon möglicher Stahlkonstruktionen großflächige Ladenräumlichkeiten mit den damals größten Schaufenstern der ganzen Stadt.

In diese Räumlichkeiten zog die Lederhandlung Stephan ein. Nach der Errichtung des Hinterhauses in der Küfergasse wird sie dorthin 1898 verlagert.

 

 

 

In den Räumlichkeiten des heutigen Fotogeschäfts Hund befanden sich das Lebensmittelgeschäft Landberger, die Metzgerei Winkler, dann ein Radiogeschäft, eine Reinigungsannahmestelle, danach das Lederwarengeschäft Kögler, später Schmidt, ein Pelzgeschäft und bis 1989 das Wollgeschäft Häußner.

Der Lederhandlung an der Hauptstrasse folgt das Konfektionsgeschäft Stumpf, anschließend zog dorthin das Lebensmittelgeschäft Landberger um. Ihm folgte anschließend das Miedergeschäft Fäßler bis 1981, die dort ansässige "Schaulade" nach umfangreichen Umbaumaßnahmen der Stadt-Apotheke das Feld räumen musste.